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| Die
Tanzlinde ist eine Art "grüner Tempel". Ihr
Farbenspiel in der Belaubung, abhängig von den Jahreszeiten,
ist ein wunderbares Sinnbild für das sich in ständiger
Entwicklung befindliche Leben. Die Tanzlinde symbolisiert
die Wiederkehr altüberlieferter astronomischer Kenntnisse,
die auf der Beobachtung des Sonnenauf- und -untergangs im
Lauf eines Jahres beruhen. Diese Anhaltspunkte ermöglichen
es, die Anordnung der acht Jahresfeste im Jahreslauf zu verstehen,
denn, übertragen auf das Bild eines Ziffernblattes, handelt
es sich um einen "Baum der Zeitmessung".
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Er
ist die vertikale Achse, Ort der Beziehungen zwischen dem
Himmel und der Erde. Die Tanzlinde verbindet die drei kosmischen
Ebenen: die Unterwelt, die Erde und den Himmel. Sie versinnbildlicht
zugleich den Lebensbaum und die Weltachse, die beide in
den verschiedenen europäischen und nichteuropäischen
Kosmogonien vorkommen.
Sie ist das Gegenstück zum Paradiesbaum, zum Baum des
Sephiroth in der Kabbala, zur Esche Yggdrasil in der germanisch-skandinavischen
Mythologie und zur sächsischen Irminsul. In China ist
es der Baum kien-Mou, der senkrechte Weg, auf dem sich die
Geister, die Seelen und die Götter bewegen. Zu erwähnen
wäre hier auch der Baum der Schamanen.
Alle diese kosmischen Bäume, seien es nun Linde, Eiche,
Esche, Ahorn, Olivenbaum oder andere sind berühmt für
ihre Langlebigkeit und ihre bemerkenswerte Größe.
Weit vor der Eiche gilt die zugleich majestätische,
elegante und widerstandsfähige Linde als Veteran der
europäischen Bäume. Nicht selten findet man Linden
mit einem Alter von über 1000 Jahren; in Litauen gab
es Linden von 2500 Jahren.
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Gemälde
der Yggdrasil
(Oluf Olufson zugeschrieben) |
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